"Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt"

- KZ Überlebende Eva Weyl erzählt ihre Lebensgeschichte. Am 11. Dezember 2018 besuchte uns die Überlebende des Konzentrationslagers Westerbork Eva Weyl. 

Zeitzeugin Eva Weyl 2

Die Zeitzeugin hielt einen Vortrag über den Holocaust und über ihre Lebensgeschichte. Vertreten waren alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen des Bert-Brecht-Gymnasiums und der Droste-Hülshoff-Realschule.

Eva Weyl ist eine deutsche Jüdin, die in den Niederlanden 1935 zur Welt kam. Ihre Eltern sind damals vor Hitler in die Niederlande geflüchtet. Als 1940 dann auch die Niederlande von Hitler besetzt wurden, war ihre Familie dort auch nicht mehr sicher. Mit 6 Jahren kamen Eva Weyl und ihre Eltern in das Konzentrationslager Westerbork (NL).

Eva Weyl beschrieb den Schülerinnen und Schülern das Konzentrationslager als "furchtbare Baracken" und erklärte: „Es war grausam!".

Etwa 107.000 jüdische Niederländer/innen (z.B. auch die Familie von Anne Frank) wurden in dieses Lager gebracht und von dort ab 1942 in die Vernichtungslager transportiert und ermordet. Auch im Lager selbst starben 751 Menschen:

„Der erste Transport fuhr am 15. Juli 1942 nach Auschwitz. Bis zum 13. September 1944 fuhren 93 weitere Deportationszüge nach Auschwitz, Sobibor, Theresienstadt und Bergen-Belsen. Viele Juden blieben jedoch länger im Lager, in dem den Häftlingen eine gewisse Alltagsnormalität vorgetäuscht wurde. Im Lager gab es eine Selbstverwaltung der Häftlinge, Schulen sowie diverse kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Diese Taktik der bewussten Täuschung führte dazu, dass die Opfer die ihnen drohende Gefahr nicht erkannten und auch bei den Deportationen ruhig blieben."
Quelle:

http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork

Eva Weyl erinnert sich daran, dass sie schreckliche Angst hatte, dass ihr ihre Mutter ihr trotzdem ständig Mut zuredete und immer für sie da war.
In dem Konzentrationslager hatte Kommandant Albert Konrad Gemmeker das Sagen. Um die Juden im Konzentrationslager ruhig zu halten, erhielten die Juden ausreichend Essen und Arbeit. Gemmeker veranstaltete sogar jeden Dienstag einen Kabarettabend mit Schauspielern, die in diesem Konzentrationslager gefangen waren. Natürlich diente all dies nur zur Ablenkung von der schrecklichen Tatsache, dass an jedem Dienstag vor dem Kabarettabend der Zug abfuhr, der die Menschen, die zuvor am Montag auf der Liste vorgelesen wurden, in den Osten schickte. Den Juden war nicht bewusst, was sich im Osten befinden könnte, doch sie wussten, dass es nur schlimmer werden könnte als Westerbork. Deshalb war es für Kommandant Gemmeker offenbar sehr wichtig, die Juden abzulenken und zu versorgen, um Aufstände zu vermeiden und um sie schließlich leichter wegschicken zu können.
Es kam der Tag, an dem auch Eva Weyl und ihre Eltern auf der Zugliste standen, doch wie sie heute erklärt, rettete ihnen ein glücklicher Zufall in Form eines Schornsteins das Leben: Die Alliierten, die gegen Deutschland kämpften dachten nämlich, dass der Schornstein des Konzentrationslagers ein Schornstein einer deutschen Fabrik wäre. Durch diese falsche Annahme der Alliierten, bombardierten sie das Konzentrationslager. Wegen der Verwüstung, die die Bomben angerichtet hatten, konnte man die Liste nicht mehr finden und somit konnte nicht nachgewiesen werden, wer mit dem Zug hätte fahren müssen. Eva Weyl und ihre Eltern waren gerettet, da sie nicht in den Zug steigen mussten und kurz darauf die Alliierten Deutschland besiegten.

Zeitzeugin Eva Weyl 1

Die Kanadier retteten die Juden einige Monate später aus dem Konzentrationslager, da man das Lager nicht sofort verlassen konnte, da außerhalb des Lagers noch der Krieg stattfand. Eva Weyl verbrachte insgesamt 3 1/2 Jahre im Konzentrationslager Westerbork. Heute hat Eva Weyl ein erfülltes Leben. Sie hat zwei Söhne und fünf Enkel und lebt seit 50 Jahren in Amsterdam. Sie erzählt ihre Geschichte seit 11 Jahren an Schulen. Angefangen hat sie damit in den Niederlanden und jetzt erzählt sie hauptsächlich ihre Geschichte in Nordrhein-Westfalen. Die Frage, die sich bestimmt jetzt bei allen stellt, ist: Warum macht sie sich solch eine Mühe ihre Geschichte an so vielen Schulen zu verbreiten? Diese Frage hatte sie auch in ihrem Vortrag aufgegriffen. Ihre Antwort dazu lautete, dass es ihre Pflicht wäre, ihre Geschichte zu verbreiten, da etwas so Schreckliches nie wieder passieren darf. Sie möchte Leute dazu animieren, selber nachzudenken und nicht jemanden einfach blind zu folgen. Wir sind zwar keine Zeitzeugen, aber wir haben die Chance "Zweit-Zeugen" zu werden, wenn es die Zeitzeugen nicht mehr gibt. Wir tragen zwar keine Schuld an dem, was vergangen ist, wie Eva Weyl betont, doch wir sind für die Zukunft verantwortlich, und es ist unsere Aufgabe, anderen an die Geschichten von Eva Weyl und anderer Zeitzeugen zu erinnern, damit so etwas Schreckliches niemals vergessen wird und nicht noch einmal passieren kann.

Ein jüdisches Sprichwort aus dem Talmud lautet: "Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt"

Text: Carolin L. (Q1), Schülerzeitung Bertis Break

Der Holocaust Ring - Eva Weyl from Victor Boldt on Vimeo.