Die Sprache sind meine Wörter und die Wörter sind meine Welt

Am 22.04.2024 konnten die Schüler*innen unserer Schule ihr Können im Poetry Slam zeigen. Es handelte sich dabei um einen Poetry Slam Workshop, organisiert von der Fußball EM 2024, wo es um das “Stadion der Träume”, also im Allgemeinen um Fußball geht.

Bas Böttcher, deutscher Schriftsteller und Slam-Poet, führt diese Workshops durch. Auch unsere Schule hat sich von dieser Aktion begeistern lassen und gab Freiwilligen sowie Schülern aus dem Differenzierungskurs “In Szene” so die Möglichkeit, an diesem Workshop teilzunehmen.

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Der Workshop enthielt ein paar Artikulationsübungen, aber bestand hauptsächlich aus der eigenen kreativen Arbeit, welche die Schüler in Kleingruppen durchführten. In dieser Zeit hatten wir, vom Projektkurs Deutsch, die Möglichkeit, uns mit den Teilnehmern auszutauschen. Sie berichten, dass das Thema, zu welchem sie einen Poetry Slam schreiben mussten, ihnen vorerst etwas schwierig vorkam. Doch nachdem wir einen Einblick in ihre Werke bekommen haben, waren wir begeistert von Ihrer Kreativität und ihren einfallsreichen Ideen. Bas Böttcher stand den Schülern tatkräftig zur Seite und regte deren Kreativität vorerst durch ein gemeinsames Sammeln von Unterthemen an. Und auch wir hatten die Möglichkeit ein Interview mit Bas Böttcher durchzuführen. 

 

Wie kam es dazu, dass Sie in dieser Branche tätig wurden?

B: „Genau, also Poetry Slam ist tatsächlich genau die Definition von Beruf, weil in meinem Fall ist es Berufung, weil ich wollte nichts anderes machen und wahrscheinlich konnte ich auch nichts anderes machen. Denn die Sprache sind meine Wörter und die Wörter sind meine Welt. Das Schöne ist: Früher wollte ich Erfinder werden und irgendwie bin ich als Poet auch Erfinder, weil ich ja Welten erfinden kann.“

 

Hatten Sie denn auch Zweifel im Laufe Ihrer Karriere? 

B: „Also ja, natürlich ist jeder Beruf so ein Kampf mit sich selbst. Gerade wenn man in der Kunst sein Brot verdienen möchte, muss man auch an sich selbst glauben. Wenn man selbst nicht begeistert ist, kann man auch andere nicht begeistern. Immer wenn es mal Demotivation gab, tat sich immer ein neuer Weg auf. Vielleicht ist das auch das Schöne daran. Wenn wir mit dem Wort arbeiten, können wir manchmal die Welt schöner reden und dann wird sie auch schöner.“

 

Wenn wir richtig liegen, arbeiten Sie schon über 30 Jahre in dieser Branche. Was ist bis jetzt der Lieblings-Poetry-Slam von Ihnen?

B: „Ich bin schon sehr lange dabei. Ich gehöre zur ersten Generation von Poetry Slammern im deutschsprachigen Raum. Einer meiner Lieblingstexte handelt eigentlich nur von einem Apfel, der vom Baum fällt, aber man kann ja eine Mini-Zeile davon hören. Sie geht so: “Wenn der Apfel hinabfällt und die Birne vom Baum abgenabelt zu Boden durch Zweig und Blatt schnellt. Bevor Dellen durch Aufprall entstehen und Druckstellen schnapp noch in der Luft zu. Pack zu! Sack ein und beiß rein!” (Bas Böttcher - Erntedank). Ich mag diesen Aufbruch-Charakter darin und dieses zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee am richtigen Ort - und das trifft auch ganz gut für Poetry Slam zu.“

 

Wo finden Sie Inspiration, wenn Sie Ihre eigenen Poetry Slams schreiben?

B: „Also die Inspiration findet man meistens, wenn man auf die unscheinbaren Dinge achtet, also auf die vermeintlich unscheinbaren Dinge. Es kann wirklich was ganz Kleines sein. Man muss eigentlich nur durch ein Guckloch durch die Welt gucken und plötzlich sieht man hier so … ein Kabel. Das Kabel wäre mir früher nie aufgefallen, aber plötzlich denke ich, hey, so viel Kommunikation läuft durch ein Kabel. Kabel sind quasi unsere Nabelschnur zu den Energiequellen und plötzlich merken wir, hey, über Kabel könnte man eigentlich zusammen einen Text schreiben. Also man muss diesen Blick auf die unscheinbaren Dinge schärfen und dann findet man was.“

 

Viele haben ja auch mit Schreibblockaden zu kämpfen. Haben Sie schon sowas erlebt?

B: „Oh, Schreibblockaden, ein gutes Thema. Ich lebe eigentlich von einer ständigen Schreibblockade. Es ist eher der Ausnahmezustand, wenn ich eine Idee habe. Wenn man das aber weiß, dann kann man Schreibblockaden viel besser akzeptieren und das ist dann quasi auch ein Normalzustand. Es ist eher unnormal, dass man mit einer guten Idee irgendwas macht.“

 

Sie sind ja schon viele Male mit Ihrem Poetry Slam aufgetreten. Hatten Sie schon mal mit Lampenfieber zu kämpfen?

B: „Genau, also Lampenfieber ist eigentlich nur ein anderes Wort für Bühnen-Adrenalin. Man hat also eine gewisse Nervosität und eine Anspannung vor dem Auftritt. Das habe ich eigentlich immer vor einem Auftritt. Ich glaube auch, dass dieses Bühnen-Adrenalin wichtig ist, um auf der Bühne nachher schlagfertig zu sein. Deswegen wäre das ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn ich irgendwann vor einem Auftritt kein Lampenfieber mehr hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das ein schlechter Auftritt wäre.“

 

Es gehört auch ein bisschen dazu, dass man sich auf der Bühne verspricht oder ein falsches Wort sagt. Wie gehen Sie damit um?

B: „Das ist schön, denn es gibt nichts besseres als Zufälle. Gerade auf der Bühne versucht man ja, möglichst alles zu planen und in Filmen, da ist es klar, wenn etwas Ungeplantes passiert, das wird rausgeschnitten. Außer bei manchen Regisseuren, die arbeiten natürlich damit, dass die Schauspieler*innen kreative Inputs mitgeben. Ich liebe es, wenn etwas Unerwartetes auf der Bühne passiert. Wenn man dann seine Schlagfertigkeit unter Beweis stellen kann. Es ist halt immer so, was gerade den Reiz ausmacht. Man hat es mit echten Menschen zu tun und mit echten Situationen. Es ist immer der Versuch, das Unplanbare planbar zu machen. Aber schön, dass es immer mal wieder Sachen gibt, die man nicht beeinflussen kann. Es ist auch so, dass viele Sachen dann auch automatisch funktionieren, also wenn man Sachen einstudiert hat. Teilweise, wenn man selbst Schluckauf hat vor dem Auftritt. In dem Moment, wo du auf die Bühne gehst, ist der Schluckauf weg.“

 

Was würden Sie den zukünftigen Poetry Slammern, also die, die in der Branche irgendwann tätig sein möchten, raten?

B: „Wichtig ist, dass man es nicht nur als Job versteht, Poetry Slamer*in zu sein, sondern wirklich kommunizieren möchte und dass man sich nicht unterkriegen lässt, wenn’s mal Fehlschläge gibt, dann muss man versuchen, diese mit Spaß  aufzunehmen. Auch die Punkte, die man beim Poetry Slam kriegt, sind nie das Maß aller Dinge. Selbst wenn man verliert und letzter wird beim Slam, sagt das überhaupt nichts über die Qualität aus. Wir machen ja keine Castingshows. Es geht wirklich darum, dass jeder und jede seinen oder ihren eigenen Stil findet.“

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Man merkt: Poetry Slam ist Bas Böttchers Leidenschaft und diese Leidenschaft steckte auch unsere Schüler an und führte zu durchdachten und kreativen Poetry Slams. 

Wir hoffen, dass auch in Zukunft weitere kreative Workshops geplant werden, um das Potential unserer Schüler zu fördern. Vielen Dank an Frau Granitza für die Organisation dieses Workshops.

Und in der Zwischenzeit können wir, wie Bas Böttcher sagte, die Welt schöner reden und dann wird sie auch schöner.

 

Alessia, Juline, Riccardo (Projektkurs Deutsch)