Wortgefechte, Werte und Wachstum – der Regionalwettbewerb von Jugend debattiert
Ein gespannter Blick ins Publikum, ein letzter Atemzug: Dann beginnt die Redezeit. Beim Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ ging es auch in diesem Jahr nicht nur um gute Argumente, sondern um Persönlichkeit, Haltung und demokratische Bildung. Gastgeber war das Max-Planck-Gymnasium in Dortmund, das für eine angenehme und professionelle Wettbewerbsatmosphäre sorgte. Seit 2002 begleitet Frau Wiemann das Projekt „Jugend debattiert“ als Projektlehrerin. Sie ist von Anfang an dabei und leitet seit 2012 die Regionalebene. Im Gespräch betonte sie, wie sehr ihr der Wettbewerb am Herzen liegt. Besonders freue sie sich darüber, zu sehen, wie viel Spaß die Schülerinnen und Schüler am Debattieren haben, unabhängig davon, ob sie am Ende einen der vorderen Plätze belegen.

Denn „Jugend debattiert“ sei weit mehr als ein Wettbewerb: Es sei ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Schülerinnen und Schüler lernen, ihre Meinung strukturiert zu vertreten, zuzuhören, Argumente abzuwägen und respektvoll mit anderen Positionen umzugehen.
Gerade das unterscheide dieses Format von vielen anderen Wettbewerben. Debattieren stärke unsere Demokratie, weil fundierte Entscheidungen nur dann entstehen können, wenn beide Seiten gehört und sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Auch unsere Schule war in beiden Altersgruppen vertreten: Emma Zimmermann und Naomi Mirkhosravi für die Sek I, Paula Krämer (die aufgrund einer Klausur an der Uni leider nicht rechtzeitig anreisen konnte) und ich, Jassim Soultani, für die Sek II.
Unterstützt wurden die Teilnehmenden von Frau Witczak und Frau Hofmann, die beide Altersgruppen begleiteten, motivierten und selbst als Jurorinnen im Wettbewerb eingesetzt waren. Monja Schwering und Emma Niescieri waren ebenfalls dabei. Die beiden hatten sich zu Juror:innen ausbilden lassen, unterstützen aber die BBG-Streittalente auch durch beruhigende Gespräche vor den Debatten.

In der ersten Altersgruppe wurden unter anderem folgende Fragen diskutiert:
Soll auf allen öffentlichen Plätzen in Dortmund kostenloses WLAN angeboten werden?
Sollen Haustierhalter zum Abschluss einer Tierkrankenversicherung verpflichtet werden?
Soll für Privatgärten eine insektenfreundliche Gestaltung vorgeschrieben werden?
Die verpflichtende Tierkrankenversicherung bildete schließlich die Finaldebatte. Unsere Schule verpasste den Einzug in die nächste Runde der Altersgruppe 1 nur knapp und belegte den fünften und sechsten Platz. Ein starkes Ergebnis in einem sehr leistungsstarken Teilnehmerfeld.
Soll die Veröffentlichung von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen verboten werden?
Soll eine Kontaktgebühr für Arztbesuche erhoben werden?
Sollen „Kaufe jetzt, zahle später“-Bezahlmodelle bei Online-Käufen verboten werden?
Letzteres wurde zur Finaldebatte und sorgte für besonders intensive Argumentationsrunden.
Auch ich durfte in diesem Jahr teilnehmen. Als Schulsieger qualifizierte ich mich für den Regionalwettbewerb, erreichte im Halbfinale den zweiten Platz und zog ins Finale ein. Am Ende belegte ich den vierten Platz. Natürlich ist man ehrgeizig und möchte gewinnen, doch noch wichtiger ist die Erfahrung selbst. Vor Publikum zu sprechen, spontan auf Argumente zu reagieren und die eigene Position souverän zu vertreten, ist eine besondere Herausforderung. Gleichzeitig ist es ein enormes persönliches Wachstum.
„Jugend debattiert“ ist jedes Jahr aufs Neue ein echtes Wortgefecht, aber eines, das von Respekt, Fairness und Sachlichkeit geprägt ist."
Der Regionalwettbewerb hat erneut gezeigt, dass Debattieren mehr bedeutet, als nur zu reden. Es bedeutet, zuzuhören, nachzudenken, abzuwägen und Verantwortung für die eigenen Worte zu übernehmen. Genau darin liegt der besondere Wert dieses Wettbewerbs: für jede und jeden Einzelnen und für unsere Demokratie insgesamt.

